Nikon 1 J4 Review

Systemkameras sind immer weiter auf dem Vormarsch im Consumerbereich. Sie verbinden den Vorteil von großeren Sensoren und Wechselobjektiven mit der Handlichkeit von Kompaktkameras. Die Nikon 1 J4 hat ein extrem kompaktes Gehäuse und bietet dabei trotzdem gute Fotoqualität. Vor allem mit großen Objektiven (wie meinem Testobjektiv) kann die kleine Bauweise aber auch nachteilig sein.

Nikon hat mir die 1 J4 Systemkamera inkl. Objektiv für einige Zeit zum Testen zur Verfügung gestellt. Danke!

Nikon J4

Hardware

Das Gehäuse misst 60×99,5×28,5 mm ohne vorstehende Teile und wiegt dabei 232g mit Akku. Mitgeliefert werden außerdem Gehäusedeckel, Trageriemen, USB-Kabel sowie das Ladegerät für den Akku. Auf der Unterseite befindet sich ein 1/4 Zoll Stativgewinde. Der verbaute Touchscreen ist 3 Zoll groß und bietet rund 1 Million Bildpunkte. Zum einfachen Teilen der Bilder ist ein WLAN Modul nach b/g Standards integriert.

Durch die kompakten Maße ist die Kamera sehr einfach zu transportieren. Im Vergleich zu einer Spiegelreflexkamera sinkt wohl die Hemmschwelle, schnell mal die Kamera mitzunehmen. Gerade mit großen Objektiven (wie das 32mm f/1.2, das ich getestet habe) ist das Gehäuse im Vergleich etwas klein und der Schwerpunkt liegt eher beim Objektiv. Dadurch ist es etwas anstrengend die 1 J4 lange in der Hand zu halten. Mit dem weitaus kleinerem Kit-Objektiv tritt dieses Ungleichgewicht allerdings wenig zu Tage. Leider hat Nikon keine rauen Griffflächen am Gehäuse angebracht, wodurch es schwieriger fällt die kompakte Kamera längere Zeit mit gutem Griff zu halten.

Nikon J4

Der verbaute CMOS-Sensor im Format 3:2 löst mit 18,4MP auf und ist dabei 13,2×8,8mm groß – das entspricht einem Cropfaktor von 2,7. Aufnahmen können sowohl in einem 12bit NEF-RAW-Format, als auch als JPEG in zwei Qualitätsabstufungen gespeichert werden. Die RAW Dateien können zumindest unter Mac OS X nicht vom System geöffnet und verarbeitet werden, sondern erfordern die kostenlose Nikon Software ViewNX 2. So muss hier zur weiteren Bearbeitung immer der Umweg über diese Software mit anschließendem Exportieren gegangen werden. FullHD Videoaufnahmen im H.264 Format sind ebenso möglich. Als Speichermedium hat sich Nikon bei der 1 J4 für eine microSD Karte entschieden (die HC und XC Varianten werden ebenfalls unterstützt). Ein integrierter Blitz mit Leitzahl 5 ist auch verbaut.

Nikon J4

Für Fotografie Enthusiasten lassen sich ein manueller Modus, sowie eine Blenden- und Zeitautomatik einstellen. Die Belichtungszeit reicht dabei von 1/16000s bis 30s mit einer Schrittweite von 1/3 LW. ISO Werte lassen sich von 160 bis 12800 einstellen, wobei auch eine ISO-Automatik verfügbar ist. Zum Fokussieren stehen 171 Messfelder zur Verfügung, wobei die 105 mittleren Felder zusätzlich zur Kontrasterkennung eine Phasenfokussierung erlauben. Serienbilder können je nach Aufnahmemodus bzw. Bildqualität mit 5 bis 60 Bildern/s aufgenommen werden. Kreativeffekte bzw. Filter und ein HDR-Modus sind ebenfalls integriert.

Fotos

Untertags liefert die Nikon 1 J4 für die kompakte Größe solide Ergebnisse. Vor allem in normaler Betrachtungsgröße gibt es an den Fotos nichts auszusetzen. Bei der 100% Ansicht sieht man allerdings geringes Rauschen auch bei niedrigen ISO Werten. Dies liegt vermutlich am für 18,4MP doch recht kleinen Sensor. Die Detailzeichnung in Originalgröße ist wie man am folgenden Beispiel (mit ISO 180 aufgenommen) sieht zwar nicht extrem scharf aber vollkommen in Ordnung. Mehr Beispielfotos aufgenommen mit der Nikon 1 J4 sind bei einem meiner Posts auf istdasvintage.at zu sehen.

Nikon 1 J4, Foto Tag Ausschnitt.

Bei Nachtaufnahmen kann die Kamera mit ISO-Werten bis 12800 aufwarten. Für mein Testfoto wurde ISO 1800 (per Automatik) gewählt, wo sich bereits ein sehr deutliches Rauschen bemerkbar macht. Durch die Rauschreduktion geht hier auch einiges an Detailschärfe verloren. In normaler Betrachtungsgröße sind die Bilder aber dennoch sehr brauchbar:

Nikon 1 J4, Foto Nacht Ausschnitt.

Was man außerdem nicht außer Acht lassen sollte ist die geringere Schärfentiefe, die man aus Objektiven herausholen kann, bedingt durch den recht großen Crop-Faktor von 2,7. Mit dem von mir getesteten 32mm f/1.2 Objektiv konnte aber dennoch eine gute Freistellung bei Porträtfotos erreicht werden.

Fazit

Für Menschen, die eine kompakte Kamera haben wollen, aber dennoch nicht auf die Vorteile von Wechselobjektiven verzichten wollen ist die Nikon 1 J4 eine gute Wahl. Das Kameragehäuse selbst ist sogar kleiner als so manche Kompaktkamera. Gerade mit großen Objektiven kann die kompakte Bauweise allerdings auch zum Nachteil bei der Haptik werden, da der Schwerpunkt dann auf dem Objektiv liegt und keine rauen Griffflächen vorhanden sind. Die Fotoqualität kommt nicht ganz an DSLR-Bilder heran (wohl bedingt durch den kleineren Sensor), reicht für den normalen Gebrauch aber vollkommen aus. Der Preis von derzeit 430€ (inkl. Kit-Objektiv 10-30mm f/3.5-5.6, gesehen auf geizhals.at) ist für eine Systemkamera durchaus in Ordnung.

 

 
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