Warum Verkehrsbetriebe die Fahrplan- und Echtzeitdaten freigeben sollten

Die Wiener Linien haben die Freigabe der Fahrplandaten für Google Maps bereits vor einigen Jahren wieder zurückgenommen. Derzeit gibt es die Möglichkeit mittels der App „Qando“ Fahrplan- und Echtzeitdaten aller Linien abzurufen. Bisher hat mich das nie gestört, da Google Maps die gleiche Funktionalität geboten hätte – natürlich mit dem Vorteil ins System integriert zu sein. Seit ich auf meinem Handy Android 4.1 „Jelly Bean“ installiert habe steht mir auch Google Now zur Verfügung. Dieser Dienst analysiert das Verhalten des Nutzers und stellt je nach Situation passende Infos in Form von Karten bereit – beispielsweise das aktuelle Wetter oder einen Währungsumrechner, sofern man sich in einem anderen Land befindet. In der aktuellsten Version scannt Google Now auf Wunsch sogar die E-Mails auf Flug- und Hotelbuchungen, Details zu Paketsendungen, Veranstaltungen, Restaurantreservierungen, etc. und zeigt die entsprechenden Infos zu den passenden Zeiten an – ein sehr praktisches Tool, das in Zukunft sicher noch ausgebaut und verfeinert wird.

Die Fahrzeit-Karte ist für mich eine der nützlichsten: Google Now lernt an welchem Tag zu welcher Zeit man für gewöhnlich eine Fahrt antritt, beispielsweise zur Arbeit oder zur Uni, aber auch Besuche bei Freunden werden erkannt. Ist man unterwegs wird einem die Fahrzeit nach Hause angezeigt, sofern dies für Google Now relevant erscheint. Außerdem weiß der Dienst von Kalendereinträgen mit Ortsangabe und anderen Quellen wann Fahrten anfallen. Bevor es notwendig wird aufzubrechen zeigt Google Now für all diese Fahrten eine Karte an. Selbst Verkehrsinfos werden berücksichtigt – so wird man bei Verzögerungen beispielsweise auf eine alternative Route hingewiesen. Einstellen kann man auch, ob man die Fahrten mit dem Auto, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln antreten will. Da ich in Wien meist die Öffis benutze, will ich natürlich auch meine Wege dafür angezeigt bekommen. Statt „Qando“ öffnen zu müssen würde ein Klick auf die Google Now Karte genügen. Wie ich schon erwähnt habe sind die Fahrplandaten der Wiener Linien in Google Maps jedoch nicht verfügbar. Begründet wird dies damit, dass beim Abruf von Echtzeitdaten von anderen Firmen „möglicherweise kriminelle Energie frei werden könnte“ und es Probleme bei den Gesprächen mit Google, der technischen Umsetzung bzw. der rechtlichen Lage gibt (derStandard.at, 12.7.2012). Bald könnte sich die Situation aber ändern: Im Jänner findet das 1. Create Camp der Wiener Linien statt, wo erstmals Echtzeitdaten für die Dauer des Events freigegeben werden. Im Zuge dieses barcamps wird die „neue Echtzeitplattform“ verwendet, die hoffentlich bald für die Allgemeinheit zur Verfügung steht, denn mit Einbindung der Öffi-Daten wäre Google Now für viele erst wirklich praktisch. Derzeit werden als Ersatz für die Öffifahrten alle Wege und Fahrzeiten zu Fuß angezeigt, was in den meisten Fällen eher unpraktikabel ist. Generell wäre es wünschenswert, dass Verkehrsbetriebe diesen Service anbieten – derzeit sind es noch die wenigsten Städte in Europa, die mehr als den Transit-Layer (Anzeige von Haltestellen) in Google Maps integriert haben. Auch für Touristinnen und Touristen wäre die Verfügbarkeit dieser Daten eine Erleichterung, denn so müsste man sich nicht für jede Stadt eine eigene App – sofern überhaupt vorhanden – herunterladen.

 

 
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