Retina MacBook Pro 13″ (Late 2013) Review

Das 13″ MacBook Pro mit Retina Display wurde nach der Veröffentlichung mit gemischten Gefühlen betrachtet. Der brillante Bildschirm und das kompakte Gehäuse wurden gelobt, die Performance der integrierten Grafiklösung aber heftig kritisiert. Der Intel HD Graphics 4000 Chip schien der Aufgabe, 4 Millionen Pixel angemessen anzusteuern, leider nicht gewachsen. Mit dem neuesten Modell hat Apple hier glücklicherweise nachgebessert: Zwar wird weiterhin keine dedizierte Grafikkarte verwendet, der Intel Haswell Prozessor mit Iris Graphics bringt aber ausreichend Power mit. Zusammen mit der schnelleren SSD, dem noch kleineren Gehäuse, der höheren Akkulaufzeit und weiteren Hardwareverbesserungen macht dieser das neue MacBook Pro zum perfekten Begleiter.

Verarbeitung

Zum Aluminium Unibody-Gehäuse des MacBook Pros gibt es nichts Neues zu sagen – es wirkt nach wie vor sehr wertig. Wackelige Teile und auffällige Fertigungstoleranzen sucht man hier vergeblich. Gegenüber dem letzten Modell ist das MacBook Pro rund 1mm dünner geworden und damit gleich hoch wie die 15″ Version. Auch das Gewicht wurde um kaum spürbare 50g reduziert. Generell ist der Unterschied zum MacBook Air nur noch ein geringer: Dieses wiegt rund 200g weniger und ist etwas dünner, da es nach vorne spitz zusammen läuft. Bei der Breite und Länge ist allerdings das MacBook Pro kompakter.

Retina MacBook Pro 13″

Display

Wer ein aktuelles Smartphone bzw. Tablet besitzt weiß, wie großartig ein hochauflösendes Display ist. Scharfe Schriften, feine Details in Bildern – das Benutzen dieser Geräte macht einfach Spaß. Allerdings sind Webseiten oft noch nicht optimiert – dann ist zwar der Text scharf, die verschwommenen Bilder stechen aber unschön heraus. Das Display des 13″ MacBook Pros löst mit 2560×1600 Pixel auf (ca. 227dpi). Im Normalfall entspricht der Eindruck der Bildschirminhalte dem eines 1280×800 Displays mit normaler Pixeldichte – in diesem Modus wird jeder „klassische“ Pixel durch 4 Pixel dargestellt. Sollte das zu wenig Platz sein, können außerdem noch die skalierten Auflösungen mit einem Bildeindruck von 1440×900 bzw. 1680×1050 eingestellt werden. Da hier auf eine nicht-native Auflösung skaliert wird, muss etwas Unschärfe in Kauf genommen werden. Allerdings ist das Bild insgesamt trotzdem besser als bei normalauflösenden Geräten, schließlich werden die vollen 2560×1600 Pixel verwendet. Ich habe mich im täglichen Gebrauch für die 1440×900 Einstellung entschieden – diese Auflösung wird auch beim MacBook Air verwendet.

Close-up vom Retina Display.

Close-up vom Retina Display.

Das Panel ist direkt mit dem Glas verbunden, was Reflexionen deutlich reduziert. Auch die Blickwinkelunabhängigkeit ist dank der IPS-Technologie hervorragend. Es treten keine Farbverfälschungen auf, lediglich die Helligkeit verringert sich ein wenig. Farben werden sehr lebendig dargestellt, auch der Kontrast ist dank des niedrigen Schwarzwertes gut. Allerdings werden dunkle Bereiche in Fotos bzw. Videos zu dunkel dargestellt, weshalb hier oftmals feine Details verloren gehen. Die  Maximalhelligkeit ist in Kombination mit den verringerten Reflexionen absolut ausreichend, um auch in hellen Umgebungen arbeiten zu können.

Technische Daten

Am letzten Modell wurde vielfach die integrierte Grafiklösung kritisiert – die geringe Leistung führte schnell zu Rucklern. Apple hat nun einen Intel Haswell Prozessor mit Iris Graphics verbaut, der einen deutlichen Performanceschub (laut Apple bis zu 90%) bringt. Geringe Verzögerungen sind lediglich bei sehr Grafik- und Script-lastigen Webseiten aufgefallen. Je nach Modell wird ein 2.4 bzw. 2.6Ghz Dual-Core Prozessor mit 3MB L3-Cache verbaut, ein 2.8Ghz Prozessor mit 4MB L3-Cache ist auf Wunsch verfügbar. Bei der günstigsten Variante sind standardmäßig lediglich 4GB, bei den anderen 8GB RAM integriert – bis zu 16GB sind möglich. SSDs (nun auf PCIe Basis) werden von 128GB beim Einsteigermodell bis zu 512GB bei der kostspieligsten Version angeboten. Diese kann optional auf 1TB erweitert werden. Weder RAM noch SSD sind nachrüstbar, was man beim Kauf berücksichtigen sollte.

Retina MacBook Pro 13″

Zur Verbindung mit der Außenwelt steht Bluetooth 4.0 und WLAN nach a/b/g/n und erstmals auch ac zur Verfügung. Dieser Standard verspricht drastisch erhöhte Datenraten mit bis zu 1Gbit/s. Zum Anschluss externer Geräte bietet das MacBook Pro zwei Thunderbolt 2 Anschlüsse (bis zu 20Gbit/s), zwei USB 3 Anschlüsse (bis zu 5Gbit/s) und einen HDMI Anschluss. Integriert wurde außerdem ein SDXC-Kartenleser, ein Kopfhöreranschluss (inkl. digitalem Audioausgang), Stereolautsprecher und zwei Mikrofone, die Umgebungsgeräusche reduzieren. Mit dabei ist auch die bereits bekannte hintergrundbeleuchtete Tastatur und das große Multi-Touch Trackpad. Der 71.8Wh Akku reicht laut Apple für 9 Stunden Surfen bzw. Videos ansehen. Bei niedriger Displayhelligkeit waren bei meinen Tests auch rund 10h Surfen möglich.

iWork und OS X Mavericks

Pages mit der neuen Formatierungs-Sidebar.Das Update auf Mavericks kostenlos anzubieten – selbst für Benutzer von Snow Leopard – war ein sehr kluger Schachzug. Die Kunden sind begeistert und Apple verdient ohnehin genug Geld durch die Hardware-Verkäufe. Selbiges gilt auch für das inkludierte iWork Paket, das allerdings in der Funktionalität etwas abgespeckt wurde. Einige der verlorengegangenen Features will Apple aber demnächst nachreichen. Neu ist die Formatierungs-Sidebar, die sich dem aktuellen Kontext anpasst – ist beispielsweise ein Bild markiert, werden die Bearbeitungsmöglichkeiten dafür angezeigt. Auch die Integration in iCloud wurde verbessert. Für Benutzer, die mal eben schnell einen Brief schreiben oder eine Präsentation erstellen wollen, sind die Apps jedenfalls nach wie vor ausreichend. Microsoft dürfte nun eher Probleme haben, ihre Office Suite für den Mac zu verkaufen, da die Basisfunktionalitäten bei neuen Macs (und iOS-Geräten) bereits inkludiert sind.

Aktivitätsanzeige mit Energieverbrauch der Apps.OS X Mavericks bringt vor allem viele Neuerungen unter der Haube, die auch älteren Macs wieder neue Frische einhauchen. Durch die Komprimierung des Arbeitsspeichers steht dem Betriebssystem mit nur minimalen Performanceeinbußen effektiv mehr RAM zur Verfügung. Das bringt vor allem bei vielen geöffneten Apps einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil. Um die Akkulaufzeit zu erhöhen wird dank App Nap Programmen und Safari-Tabs, die derzeit nicht sichtbar sind, weniger Rechenzeit zugewiesen. Safari startet Plugins (z.B. Flash) nun nicht mehr automatisch, wenn diese als nicht wichtig (z.B. am rechten Rand) erkannt werden – YouTube Videos können also nach wie vor ohne zusätzliche Klicks angesehen werden. Auch CPU-Instruktionen werden (sofern möglich) nun gruppiert, weshalb der Prozessor öfter in einem energiesparenden Modus bleiben kann.

Der neue Finder bietet nun Tabs und ünterstützt das Taggen von Dateien bzw. Ordnern.Neu dazugekommen ist eine iBooks App, welche die Bücher und aktuellen Lesepositionen mit iCloud synchronisiert. Außerdem wurde eine Maps App integriert – der Nutzen ist aber fraglich, große Vorteile gegenüber Web Apps gibt es hier nicht. Optisch erneuert hat man den Kalender, der nun auch die Reisezeit zu einem Termin einberechnen kann. Die iCloud wurde um eine Keychain erweitert, die Passwörter (und Kreditkartendaten) auf allen Mac bzw. iOS Devices synchronisiert. Benachrichtigungen bieten bei Mavericks die Möglichkeit, direkt mit ihnen zu interagieren – so kann beispielsweise auf eine iMessage Nachricht geantwortet werden, ohne die App öffnen zu müssen. Außerdem können Webseiten Push-Benachrichtigungen senden (z.B. die neuesten Artikel eines Blogs). Große Änderungen gibt es beim Finder, der nun Tabs unterstützt. Neu ist auch die Möglichkeit, Dateien und Ordnern Tags zu verpassen, wodurch diese einfach gruppiert werden können. Ein Split-View mit zwei Ordnern nebeneinander ist leider weiterhin nicht implementiert.

Retina MacBook Pro 13″

Fazit

Die Performance-Probleme des ersten Modells wurden mit dem neuen Haswell-Prozessor größtenteils behoben. Auch die schnellere SSD und ac-WLAN sind eine willkommene Verbesserung. Wer die noch höhere Akkulaufzeit des MacBook Airs nicht unbedingt benötigt, sollte auf jeden Fall das Retina MacBook Pro in Betracht ziehen. Bei ähnlicher Konfiguration von Arbeitsspeicher und SSD ist der Aufpreis kein hoher – außerdem bekommt man ein herausragend gutes Display (das auch in der 1440×900 Einstellung noch deutlich schärfer ist) und mehr Anschlüsse. Das geringe Mehr an Gewicht und das höhere Gehäuse werden dadurch wie ich finde locker wettgemacht.

 

 
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Kommentare
  1. vor 4 Jahren

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